Wir leben in sehr unruhigen Zeiten und halten es deshalb als Vorstand des GVSA für notwendig, eine Orientierungshilfe zu geben, die deutlich macht, mit welchen Standpunkten und Geisteshaltungen Nachfolge Jesu gestaltet werden kann.
Wir konzentrieren uns bewusst auf die Bereiche, die für uns als Christen am wahrscheinlichsten zu einer Versuchung werden können. Dass es auch andere Problemfelder und Gefahren für unsere demokratische Gesellschaft gibt, ist offensichtlich, aber nicht Thema dieser Erklärung.
Des Weiteren verweisen wir auf die bereits vorliegende Materialsammlung aus dem Jahr 2015.
Jesus Christus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14.6)
An seinem Handeln wollen wir unseren Umgang mit Fragen der Gesellschaft, der Politik und des Miteinanders unter uns Menschen messen.
Wir nehmen in unserem Land in zunehmendem Maße eine gewisse Politikverdrossenheit wahr. Menschen fühlen sich von der Politik nicht mehr angesprochen und/oder mitgenommen. Ihre Probleme werden größtenteils nicht gesehen und bearbeitet. Das erschwert die Teilhabe an gesellschaftspolitischen Prozessen erheblich und fördert das Annehmen ‚einfacher Antworten‘. Hinzu kommen Verunsicherungen durch Kriege, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen sowie die Klimakrise. Die Fülle an Informationen und Meinungen erschwert ein Unterscheiden zwischen belegbaren Fakten und subjektiven Einschätzungen. Die Beurteilung politischer Prozesse wird immer schwieriger und die dafür notwendigen Entscheidungskriterien sind immer schwerer zu vermitteln. Wir wollen Mut machen, sich nicht in persönliche Komfortzonen zurückzuziehen, sondern Beteiligung anzustreben, wo es uns möglich ist und notwendig erscheint. Unsere Stimme zählt, selbst wenn dies nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Wenn wir Menschen für Jesus Christus gewinnen wollen, dürfen wir sie nicht mit den Problemen in dieser Welt allein lassen. Unsere größte Stärke den Problemen dieser Welt zu begegnen, ist und bleibt das Gebet. Wir rufen dazu auf, für die Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen regelmäßig und anhaltend zu beten.
Eine kritische Haltung gegenüber demokratischen Institutionen wie Parlamenten, Justiz, Polizei und öffentlich-rechtlichen Medien ist legitim. Das grundsätzliche Anzweifeln der Autonomie und Wahrhaftigkeit dieser lebensnotwendigen Säulen unseres demokratisch verfassten Gemeinwesens zerstört jedoch unser Miteinander und untergräbt die Stabilität unseres Rechtsstaates, dessen Vertreter unseren Respekt erwarten dürfen. Das Gebot der Nächstenliebe schließt alle Menschen ein. In den Fällen, in denen Menschen oder Institutionen vorsätzlich oder unwissentlich falsch handeln, haben wir unabhängige Gerichte, Beschwerdestellen und Medien, die wir nutzen können. Wir sind aufgefordert, uns nach Kräften an der Ausgestaltung unseres Gemeinwesens zu beteiligen. Schließen wir die in unsere Gebete ein, die für unser aller Wohl in Justiz, Polizei, Armee, Feuerwehr, Gesundheitswesen und Verwaltung, Schulen und weiteren öffentlichen Einrichtungen arbeiten.
Wir sind durch Jesus Christus Kinder Gottes. Er hat einen einzigartigen, teuer erkauften Plan – einen Heilsplan – mit dieser Welt, weil sie ihm gehört und er sie liebt. Deshalb müssen wir uns nicht unseren Ängsten hingeben. Herausfordernde Situationen und besorgniserregende Entwicklungstendenzen dürfen uns nicht den Blick auf das Reich Gottes verdunkeln und den begründeten Glauben rauben, dass Jesu Zusagen wahr sind. Darum wollen wir Zeichen der Hoffnung setzen und anpacken, wo wir helfen und Gutes tun können. Wir widersprechen denen, die behaupten, wir hätten keinen Spielraum mehr, um mit anderen zu teilen und Verzicht zu üben. Wir wollen anhaltend für den Erhalt der Schöpfung, für Frieden statt Krieg, für Gerechtigkeit statt Willkür und Gesundheit statt Hunger in der Welt, in unserem Land, in unseren Orten, Gemeinschaften und Familien beten.
Jesus Christus ist die Offenbarung Gottes und die Liebe in Person. Er hat Menschen nicht nach ihrer Vergangenheit beurteilt oder nach ihrer Herkunft in gute und schlechte Menschen eingeteilt. Er hat sie immer in Liebe angenommen und ihre Würde wiederhergestellt, wo sie ihnen von Menschen aberkannt oder genommen wurde.
Deshalb wollen wir allen Menschen, egal welcher Herkunft, welchen sozialen Milieus, welchen Geschlechts, welcher Religion oder Glaubens, welcher politischen Orientierung oder welcher Überzeugung mit der gleichen Liebe begegnen, mit der Jesus ihnen begegnet ist. Auch wir wollen, wie Jesus selbst am Kreuz, für alle beten – nicht nur für unsere Freunde, sondern auch für unsere Feinde. Das schließt auch Menschen ein, die nicht unserer Meinung sind und das Evangelium nicht hören wollen oder können.
Wir wollen nicht aufhören uns für Menschen einzusetzen, denen nicht mit Menschenwürde begegnet wird – Menschen, die arm sind, die Zuflucht suchen und die von der Gesellschaft verachtet werden.
Jesus Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25, 40)
Oktober 2025